Weird England

Jörg-Dieter Kogel/Christfried Tögel/Johann-Günther König
Sigmund Freud und Bremen
Schünemann Verlag, Bremen 8/2026
Hardcover, 228 Seiten, 18,00 €

Im August 1909 betritt Sigmund Freud Bremer Boden – begleitet von Sándor Ferenczi und Carl Gustav Jung. Von der Hansestadt aus beginnt jene Reise in die USA, die der Psychoanalyse internationale Aufmerksamkeit verschaffen wird. Doch bevor der Ozeandampfer ablegt, erkunden die drei Männer Bremen: Sie spazieren durch die alten Straßen, besuchen das berühmte Essighaus und begegnen einer Stadt zwischen Kaufmannstradition, Welthandel und geistiger Moderne. 

Das Buch zeichnet dabei nicht nur Freuds eigene Eindrücke von Bremen, sondern auch die Beziehungen seiner Schwester Anna zur Stadt sowie Leben und Wirken des aus Bremen stammenden Mediziners und Psychoanalytikers Karl Abraham, eines der engsten Weggefährten Freuds. Aus historischen Quellen, Briefen und zeitgenössischen Berichten entsteht ein vielschichtiges Panorama Bremens um 1900 – einer Stadt im Aufbruch, die für einen kurzen Moment zum Ausgangspunkt eines geistigen Weltereignisses wurde. Das Buch eröffnet zugleich den Blick auf Bremen als einer Stadt zwischen Kaufmannstradition, Welthandel und geistiger Moderne.

Muss Bremen auf die Couch? Nun, so weit soll es nicht kommen. Sigmund Freud aber, der Begründer der Psychoanalyse, ist in Bremen gewesen. Was ihn im August 1909 an die Weser führte und was er hier so gemacht hat, das zeichnet jetzt ein aus Quellen wie Briefen und aus aktuellen Forschungsergebnissen gespeistes Buch nach: „Sigmund Freud und Bremen“, so der unauffällig wirkende Titel des 128-Seiten-Bands, der im Bremer Schünemann-Verlag erschienen ist und 18 Euro kostet.

Neben den Bremer Autoren Jörg-Dieter Kogel und Johann-Günther König komplettiert Prof. Dr. Christfried Tögel, Lausanne, renommierter Freud-Biograf und Herausgeber der Sigmund-Freud-Gesamtausgabe, das Autorentrio. 

Und drei Männer waren es auch, die anno 1909 mehr als nur einen Hauch der Moderne in die Gassen der sich selbst gerade verändernden Hafen- und Kaufmannsstadt trugen: Freud reiste in Begleitung der Kollegen
Sándor Ferenczi und Carl Gustav Jung.

Sie waren nach Bremen gekommen, weil sie nach Bremerhaven wollten – und vor allem: von Bremerhaven mit dem Dampfer „George Washington“ in die Vereinigten Staaten. Nach New York. Längst gilt
Freuds einzige Amerikareise als markanter Wendepunkt, als historischer Durchbruch der Psychoanalyse auf internationaler Ebene. Derlei Dimensionen aber konnte noch niemand erahnen, als die drei Herren
gleichsam am Vorabend der historischen Reise durch Bremen flanierten. Das Buch rekonstruiert den Besuch, fügt historische Einordnungen hinzu und erzählt nicht nur am Rande, welche Rolle Bremen als Heimat von Karl Abraham für
die Psychoanalyse spielte. Der 1925 in Berlin gestorbene Psychiater aus Bremen gilt als einer der Wegbereiter der Psychoanalyse in Deutschland. (Tomas Kuzaj, Kreiszeitung) 

Weird England

,Johann-Günther König
Hafen oder Tod
Schiffsreisende aller Zeiten erzählen
ZuKlampen, Springe 5/2026
Hardcover, 272 Seiten, 28,00 € / E-Book: 20,99 €

Eine Seefahrt, die ist lustig – ein Lied, das schon um 1900 gesungen wurde und heute noch Kreuzfahrtbegeisterte begleiten könnte. Für frühere Schiffsreisende jedoch sah die Realität meist anders aus: Der Abschied vom Lande war ein Wagnis auf Leben und Tod. Enge Unterbringung, unberechenbare Flauten und widriges Wetter ließen Ankünfte unsicher werden, Leib und Leben waren stets bedroht, wie eine Seemannsweisheit bezeugt: »Das Schiff, das dem Steuer nicht gehorcht, wird den Klippen gehorchen müssen.« Johann-Günther König zeigt anhand packender Schilderungen von der Antike bis ins 21. Jahrhundert, wie sich das Reisen auf dem Meer im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat.

Königs große Stärke liegt in der klugen Verbindung von historischer Einordnung und lebendigen Originalquellen. Er erzählt nicht trocken chronologisch, sondern ordnet sein Material thematisch. Kapitel über Seekrankheit, Schiffbruch, Kannibalismus, Frauen an Bord oder das Leben im Zwischendeck eröffnen überraschende Perspektiven auf ein scheinbar vertrautes Thema. So entsteht ein vielstimmiges Mosaik […] Besonders eindrucksvoll ist, wie der Autor historische Distanz überwindet. Die zitierten Passagen lassen das Knarren der Planken, den Gestank unter Deck und die Verzweiflung in Stürmen unmittelbar erfahrbar werden. Ob seekranke Dichter, hungernde Pilger oder schiffbrüchige Reisende – ihre Stimmen wirken erstaunlich gegenwärtig. König kommentiert diese Zeugnisse mit leichter Hand, fundiert, aber nie vorlaut. Im Gegenteil, immer wieder taucht sein bekannter und von seinen Lesern geliebte Sinn für Humorigkeit auf. Und dennoch bleibt sein Stil immer präzise, verliert nie Anschaulichkeit und wird von spürbarer Begeisterung und Neugier für maritime Geschichte getragen.
Das Buch ist zugleich ein kulturhistorisches Kompendium. (Guenter G. Rodewald, Mein Blog)

Hafen oder Tod. Schiffsreisende aller Zeiten erzählen, heißt sein Ende Mai erschienenes neues Sachbuch. In 14 Kapiteln kommen Seefahrer und Passagiere zu Wort, »die in den vergangenen 2500 Jahren seefest oder es eben nicht waren, die teils schon bei einem lauen Lüftchen lieber die Segel strichen oder frohgemut ins Blaue stachen«. Der Bogen spannt sich von der Antike bis ins 21. Jahrhundert, vom ersten erhaltenen Bericht einer nachgewiesen realen Reise um 470 vor unserer Zeit, verfasst von dem karthagischen Seefahrer Hanno, der entlang der afrikanischen Westküste segelte, bis zur – nur knapp gestreiften – Kreuzfahrt-Touristik des 21. Jahrhunderts. Schon der Titel des Buches – den König dem Band Nautische Ekstasen des Philosophen Peter Sloterdijk entlehnte – macht deutlich: Der Abschied vom Land war in früheren Zeiten ein Wagnis auf Leben und Tod. Enge Unterbringung, unberechenbare Flauten und widriges Wetter ließen Ankünfte unsicher werden, Leib und Leben waren stets bedroht. Die Seeleute wussten: »Das Schiff, das dem Steuer nicht gehorcht, wird den Klippen gehorchen müssen.« In der Zwickmühle zwischen einer anhaltenden Windstille für Segelschiffe auf dem weiten Ozean und einem tobenden Orkan auf hoher See war der Unterschied so minimal wie zwischen Skylla und Charybdis. König: »Wer einst an Bord ging, kam in Not. Denn bis zum Einsatz der Dampfschiffe im Laufe des 19. Jahrhunderts gestaltete sich nichts so ungewiss wie eine Seereise. Die hölzernen Segelschiffe waren von günstigen Winden abhängig und kamen nicht voran, wenn Flaute oder sogar Totenflaute herrschten. So dauerte um 1800 eine Reise von Holland um das Kap der Guten Hoffnung nach China gut acht bis neun Monate – wenn es keinen Schiffbruch gab.« Ohne die erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Einsatz kommenden Schiffsstabilisatoren – technische Systeme, die das Schaukeln um die Längsachse bei Seegang, das Rollen, verminderten – wurden die meisten Reisenden zu »seekranken Landwesen«, wie die Berichte bezeugen – bis hinein in die Literatur: Seekrankheit heißt beispielsweise im Buch der Lieder von Heinrich Heine ein Gedicht, in dem das seekranke lyrische Ich am Ende stoßseufzt: »Mag Torheit und Unrecht / Dich ganz bedecken, o Deutschland! / Ich sehne mich dennoch nach dir: / Denn wenigstens bist du noch festes Land.« Und über seine Rückfahrt von Helgoland nach Cuxhaven berichtete der Dichter in einem Brief: »Solche Seekrankheit, ohne gefährlich zu sein, gewährt sie dennoch die entsetzlichsten Missempfindungen, unleidlich bis zum Wahnsinn. Am Ende, im fieberhaften Katzenjammer, bildete ich mir ein, ich sei ein Walfisch und ich trüge im Bauche den Propheten Jonas.« König beginnt seine Schiffsreise in der Antike mit dem Verweis auf Überlieferungen und von Sagen durchdrungene Werke wie dem babylonischen Gilgamesch-Epos oder Homers Odyssee. Auch Schiffsgeschichten aus der Bibel tauchen auf, zum Beispiel ein Bericht des Apostels Paulus: »Dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer.« Segeln wir weiter durch die Jahrhunderte in die Zeit, als die Erde auf den Karten der christlichen Kirche und der Mönche zu einer kleinen Scheibe im großen Meer geworden war, mit Jerusalem als Mittelpunkt, dem Ziel von Pilgerfahrten und Kreuzzügen auf nur bedingt seetüchtigen Segelschiffen. Zwar gibt es aus dem zwölften Jahrhundert weder Tage- noch Logbücher von Kapitänen, die Zeugnis ablegen könnten von den Fahrten, aber König kann »lebendige Darstellungen eines jüdischen und eines muslimischen Pilgers« präsentieren, die von Spanien aus übers Mittelmeer in den Orient segelten. Des Weiteren konnte er Sammelbänden, die bis ins 17. Jahrhundert erschienen, »zahlreiche aufschlussreiche persönliche Schilderungen« von Schiffsreisen ins Gelobte Land entnehmen. Der erste umfassende Bericht über die Abenteuer auf See stammt von Marco Polo. Er schrieb ein Buch über seine Reise auf dem Landweg ins Kaiserreich China und über seine Fahrt mit einer aus 14 viermastigen Dschunken bestehenden Flotte sowie mit 600 Mann Besatzung von Venedig aus zum Persischen Golf. Diese Seereise über mehrere tausend Kilometer dauerte drei Jahre, in denen Stürme, Hunger, Durst und Krankheiten ihren Tribut forderten. König: »Von den siebenhundert Personen, die sich (…) außer den Matrosen an Bord der Schiffe befunden hatten, lebten nur noch achtzehn. Marco Polo und ihre Freunde blieben am Leben. Sie kehrten schließlich 1295 in die Republik Venedig zurück«, wo Polo dann seinen Reisebericht verfasste. Die nächsten »risikofreudigen Männer«, die »im Zeitalter der europäischen Expansion« in See stachen und ihre Seefahrterlebnisse niederschrieben, waren solche bekannten Personen wie Christoph Kolumbus, Vasco da Gama und Ferdinand Magellan sowie der berberische Rechtsgelehrte Ibn Battūta: der Nil, das Rote Meer, der Indische Ozean, die ostafrikanische Küste, die Straße von Hormus gehörten zu seinen Schiffsrouten, insgesamt soll er auf dem Wasser und zu Land 120.000 Kilometer zurückgelegt haben: viel Stoff zum Erzählen. Machen wir gewaltige Sprünge durch die Zeit. Zu viele sind der Berichte, schier endlos ist die Reihe allein der prominenten Berichterstatter: Charles Dickens, Otto von Bismarck, Friedrich Wilhelm, der preußische Kronprinz, Weltumsegler wie Bougainville und James Cook, Georg Forster, der berühmte Naturforscher und Ethnologe, Alexander von Humboldt, Adelbert von Chamisso, Charles Darwin, Ernest Shackleton, Sigmund Freud, Thomas und Katia Mann, die im Frühjahr 1929 auf dem Turbinenschiff Volendam nach New York unterwegs waren. Die Reflexionen des Schriftstellers sind nachlesbar in dem literarischen Text Meerfahrt mit Don Quijote, König zitiert daraus. Zahlreich sind auch die Zeugnisse von Schiffskatastrophen. Der Untergang der Titanic soll stellvertretend stehen. Ein weiteres düsteres Kapitel ist das Thema »Kannibalismus auf hoher See«: bei Seenot nicht ausgeschlossen. Das Gemälde »Das Floß der Medusa« von Géricault zeigt anschaulich die existenzielle Not der Schiffbrüchigen. Schließen möchte ich mit dem Verweis auf ein besonderes Kapitel. In ihm stellt König dar, dass Reisen und Seefahrt auch eine Domäne mutiger Frauen waren: »Sie sind seit vielen Jahrhunderten zu nicht minder entlegenen Gebieten und Zielen aufgebrochen, schon um den ihnen auferlegten gesellschaftlichen Zwängen aus dem Weg zu gehen.« König lässt neun Frauen zu Wort kommen, »die ganz unabhängig von ihrer Herkunft und sozialen Position ungewöhnliche Individualität, spezifische Wesenszüge und Entdeckungsfreude sowie großes Selbstbewusstsein zeigten« – oft als einzige Frau an Bord. Aber das lassen Sie sich am besten von den Seefahrerinnen selbst und von König erzählen, empfehlenswerter Weise von Heinrich Heines ersehntem Festland aus. Denn Sie wissen ja: Wasser hat keine Balken, und auch heute noch gibt es gute Winde und böse Stürme. (Klaus Nilius, Von guten Winden und bösen Stürmen, S. 530ff., Ossietzky – Zweiwochenschrift Politik, Kultur, Wirtschaft, H. 17, 2026)

Berichte des Mecklenburger Gutsherrn Johann Gildemeister

Johann-Günther König
Mr Pye. Aus dem Alltag eines Sofahelden
Mit 30 Zeichnungen von Hajo König
Edition Temmen, Bremen 12/2025
96 S., 12,90 €
Link zur Webseite: https://mrpye.eu/

Yes! You’re absolutely right: Der Held in diesem Buch ist ein ziemlich haariger Typ mit großer, wenn auch wie zugenähter Schnauze. Ein richtig knuddeliger Teddybär wie aus dem Bilderbuch.

But no: Dieser bärige Gentleman namens Mr Pye wohnt nicht etwa im Kinderzimmer zwischen Dutzenden anderer Spielsachen. Er thront ganz exklusiv auf dem Sofa und lebt in einem Haushalt von höchst erwachsenen Menschen. Denn auch die sehnen sich nach Liebe und Zuwendung, erleiden schwere Krisen und sorgen sich um die Zukunft unseres Planeten. Und wer eignet sich besser für ein vertrauensvolles Selbstgespräch unter Erwachsenen? Was für eine Frage!

Johann-Günther König hat die Geschichten um Mr Pye mit viel Humor und Selbstironie gespickt. Sie sind gewissermaßen als Einladung zu verstehen: Discover your inner bear!

Jeder wird sich in Mr Pye verlieben, genauso wie es Lisa und unserem Erzähler ergangen ist. Wozu aber ebenso die mehr als dreißig zweifarbigen Teddy-Avatars von Hajo König in erheblichem Masse beitragen… Mr Pye ist viel mehr als ein Kuscheltier – er wird zur Projektionsfläche, zum Spiegel menschlicher Schwächen und Stärken. Das Buch zeigt, wie viel Emotionalität, Trost und Fantasie Menschen in ein scheinbar lebloses Objekt legen können. (Guenter G. Rodewald, Blogger; https://guenterrodewald.wixsite.com)

Mr Pye, urbritisch ohne Punkt geschrieben, ist ein echter Gentleman (…). Und Mr Pye ist (…) ein Teddybär. Als solcher wohnt er auf dem Sofa und erfreut die Erwachsenen, die ebenfalls zu dem Haushalt gehören. Der Bremer Schriftsteller und Briten-Kenner Johann-Günther König zählt dazu. Jetzt hat er lauter Geschichten um Mr Pye aufgeschrieben. Das Ergebnis ist ein bärenstarkes Lesevergnügen aus Alltagsskizzen und Emotionen; on top gibt´s noch ein instruktives ›Teddypedia‹ und Illustrationen von Hajo König. (Thomas Kuzaj, Kreiszeitung 22.12.2025)

(…) jede Szene ist eine kleine Miniatur. Mal liebevoll, mal satirisch, mal absurd – aber immer mit warmem Unterton. (…) Mr Pye wird zum stillen Zuhörer, moralischen Kompass, Trostspender, Reiseziel, Beziehungsschiedsrichter und gelegentlich auch zu einem unfreiwilligen Probanden komischer Experimente. (…) er wird zur Projektionsfläche, zum Spiegel menschlicher Schwächen und Stärken. Das Buch zeigt, wie viel Emotionalität, Trost und Fantasie Menschen in ein scheinbar lebloses Objekt legen können. (Guenter G. Rodewald in seinem Blog ›Gedanken frei Haus‹)